Schülerinnen wünschen sich ein Denkmal für jüdisches Mädchen
Geschichte Lokale Vorgänge aus der Zeit des Faschismus für viele noch ein Tabu
Delmenhorster Kreisblatt 13.2.2004

Delmenhorster Kreisblatt 13.2.2004

Geschichte Lokale Vorgänge aus der Zeit des Faschismus für viele noch ein Tabu

Über Forschungen nach ,,Spuren des Nationalsozialismus" berichteten Realschülerinnen in der VHS. Fündig geworden waren sie in Schönemoor.

Ganderkesee rh - Am aktuellen Geschichtswettbewerb der Bundeszentrale für Politische Bildung hat sich ein Team der Realschule Bookholzberg beteiligt. Angeregt von Lehrer Jan-Michael Braun forschten Schülerinnen und Schüler über das Schicksal einer jungen Jüdin, die im Juni 1935 zum Anlass eines Demonstrationszuges in Schönemoor geworden war. Am Mittwoch stellten drei Schülerinnen den aktuellen Untersuchungsstand im Alten Rathaus vor.
 
Dabei machten Alina Arciszewski, Aileen Cuda und Neele Schwarting kein Hehl daraus, dass sie anfangs eine deutlichere Unterstützung ihrer Recherchen erwartet hätten. ,,Bei der Gemeinde wurden wir abgewimmelt", erzählten sie enttäuscht. Und auch dem Hinweis, dass es beim Gasthof Auffahrt, Bissen, ein Gefangenenlager gegeben habe, konnten sie mangels williger Gesprächspartner nicht nachgehen. Schließlich, so Alina, hätten sie eher zufällig den Hinweis auf das jüdische Mädchen im Dienst eines Schönemoorer Haushalts erhalten. Der dortige Pastor habe sie dann sehr unterstützt, erzählten die Schülerinnen.
 
Auch beim Oldenburger Staatsarchiv, ergänzte Geschichtslehrer Braun, sei das Anliegen der Schülerinnen nicht sonderlich ernst genommen worden. Offenbar würden ,,seriös auftretende Erwachsene" bevorzugt behandelt. Solch negative Schülererfahrung wollten die Volkshochschulgäste nicht unkommentiert lasssen. Neben den direkten Dank an die Forscherinnen gaben sie viele konkrete Hinweise zu Dokumenten und Personen, die zu den Schönemoorer Vorgängen (womöglich) weitere Auskunft geben könnten. Auch die von den Schülern angedachte Gedenktafel für die namentlich bisher unbekannte Frau müsse nicht vom Tisch sein, wurde den Schülern Mut gemacht.
 
Lebhaft erzählten die von dem in der ländlichen Umgebung als ,,exotisch" geltenden Ehepaar Nullmeier, dass es sich nicht hatte nehmen lassen, ein jüdisches Mädchen zu beschäftigen und bei sich wohnen zu lassen. Nach einer von Bier und Schnaps begleiteten ,,Wilhelm Tell"-Vorführung im Dorfgasthof habe sich am 20. Juni 1935 ein Demonstrationszug Richtung Nullmeier-Hof aufgemacht, um den Dörflerprotest gegen solch unverständliches Verhalten zu verdeutlichen. Neben groben Worten flogen auch Steine gegen Haus und Hecken. Kurz darauf, so die Schülerermittlungen, wurde das Mädchen aus Schönemoor verschleppt: ,,Was aus ihr geworden ist, wissen wir nicht."

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